Aktuelle Tarifverhandlungen

ver.di fordert vom NDR ein starkes politisches Signal

Verfassungsbruch:

ver.di fordert vom NDR ein starkes politisches Signal

Bei den jetzt gescheiterten Verhandlungen um Nachzahlungen von Honorar- und Gehaltserhöhungen mit dem NDR ging es ver.di nicht allein ums Geld. Noch wichtiger ist uns ein deutliches politisches Signal des NDR in Richtung  Rechtspopulisten: „Gegen Euch stehen wir eng zusammen. Wir lassen die Beschäftigten nicht die Zeche für den Angriff aus Sachsen-Anhalt zahlen!“ Die Folgen des Verfassungsbruchs durch die Landesregierung, die der rechtspopulistischen Stimmungsmache gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gefolgt war, müssen so weit wie möglich geheilt werden. 

Leider war der NDR nicht bereit, sich verbindlich zu verpflichten, für die Belegschaft den Schaden der Attacke von rechts komplett zu beheben. Zunächst hatten alle Gewerkschaften in den Verhandlungen gefordert, der NDR solle die ursprünglich für April 2021 vereinbarten Gehaltserhöhungen rückwirkend auszahlen. Daran hielt ver.di bis zum Schluss fest. Der NDR will die nachträglichen Zahlungen erst ab August leisten. Bedeutet: vier Monate lang finanzielle Einbußen für die Beschäftigten.

NDR-Verhandlungsführer Dr. Michael Kühn pflegt seit Jahren einen Verhandlungsstil, bei dem er versucht, den Gewerkschaften seine Vorstellungen in die Feder zu diktieren. Aber diesmal antwortete er ver.di auf eine Art, die im NDR bislang undenkbar gewesen wäre: Er schickte uns – der größten Gewerkschaft im NDR – seinen noch strittigen Vertragsentwurf zu und setzte uns ein Ultimatum für die Unterschrift. Schließlich habe er es eilig. 

Um selbst nach diesem Affront noch eine Einigung zu erzielen und dabei die knappen Mittel des NDR zu berücksichtigen, ist ver.di mehrfach auf den Sender und sogar auf die Intendanz direkt zugegangen. Wir haben vorgeschlagen, den Kolleginnen und Kollegen die ausstehenden Beträge in Zeit (statt in Geld) zu vergüten. Dies hätte einmalig einen zusätzlichen Tag Freizeit für jede*n bedeutet – fällig in 2021 oder 2022. Selbst dies wollte der NDR nicht zusagen. Dr. Kühn überging den ver.di-Vorschlag einfach und rief ein anderes Thema auf. 

Sollen so künftig etwa alle „Tarifverhandlungen“ im NDR aussehen? Lieber Intendant Joachim Knuth, wir sollten miteinander reden! 

Im Intranet verweist der NDR jetzt gönnerhaft auf mögliche Verhandlungen im kommenden Jahr – das ist keine Zusage, sondern eine Selbstverständlichkeit! Es ist zu befürchten, dass der NDR dann trickst und die ausstehenden Kompensationen aus 2021 unter dem Verweis auf Sparzwänge mit unseren Forderungen in den Gehalts- und Honorartarifverhandlungen im Frühjahr 2022 verrechnen will. 

Für dieses Jahr hat der NDR eine gute Möglichkeit verspielt, der Belegschaft seine Wertschätzung für die hervorragende Arbeit in einem harten Corona-Jahr auszudrücken: durch einen einmaligen zusätzlichen freien Tag zwischen Weihnachten und Neujahr. Hierfür wären viele Kolleginnen und Kollegen dankbar gewesen, auch weil die Feiertage diesmal für Arbeitnehmer*innen sehr ungünstig liegen. 

Trotz allem ist ver.di weiterhin zu Verhandlungen bereit!