Aktuelle Tarifverhandlungen

NDR stellt sich stur

Nachzahlung unserer Gehalts- und Honorarerhöhungen:

NDR stellt sich stur

Bei den Tarifverhandlungen über eine Nachzahlung unserer seit April entgangenen Gehaltserhöhung lehnt sich der NDR entspannt zurück. Damit weicht unsere Freude darüber, dass das Bundesverfassungsgericht eine Beitragserhöhung zum 20. Juli beschlossen hat, nun Verärgerung. 

Erst zum 1. August will der NDR die Gehälter und Honorare anheben! Die vier Monate ab April will er sich auf Kosten der Beschäftigten einfach sparen. Dabei hat das Bundesverfassungsgericht den öffentlich-rechtlichen Sendern ausdrücklich die Möglichkeit eingeräumt, ihren Finanzbedarf neu bei der KEF anzumelden und dabei auch nachträglich Kosten zu berücksichtigen. Wird sich der NDR hierbei wirklich mit aller Kraft engagieren? 

Beschäftigte haben den NDR unterstützt

Zur Erinnerung: Nach dem vorläufigen Ausbleiben der Beitragserhöhung ab Januar durch das politische Quertreiben von Sachsen-Anhalt hatten alle Beschäftigten dem NDR geholfen, seinen finanziellen Engpass zu überbrücken: Sie verzichteten vorläufig auf die Hälfte ihrer Gehaltserhöhungen und Honorarsteigerungen, 1,225 von 2,45 Prozent – mit der Aussicht und im Vertrauen, dass der NDR das Geld nach einer positiven Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zahlt. Der NDR war der einzige Sender in der ARD, der seinen Beschäftigten den Gehaltstarifvertrag und den Freien den Honorartarifvertrag gekündigt hatte. 

Kolleg*innen sollen jetzt verzichten

Die entsprechenden Forderungen aller im NDR vertretenen Gewerkschaften auf Nachzahlung für die Monate ab 1. April hat der NDR in Verhandlungen am 24.08. vom Tisch gewischt - ohne nachvollziehbare Argumente. NDR-Verhandlungsführer Dr. Kühn hält sich für „vielleicht zu hanseatisch“ um jetzt die ursprünglich ausgehandelte Erhöhung voll auszuzahlen. „Wir haben das Geld jetzt nicht.“ Selbst eine anteilige Erhöhung der Bezüge für Juli wird verwehrt, weil die Sender die ihnen zustehende Beitragserhöhung für diese Zeit gar nicht einfordern.

Verwaltungsdirektorin Deike möchte das Thema offenbar auf die lange Bank schieben: Sie schlägt den Gewerkschaften vor, die bereits 2019 für April 2021 ausgehandelten Steigerungen erneut zu fordern - in künftigen Tarifverhandlungen! Vielleicht, um dann den ursprünglichen Anspruch gegen neue Forderungen aufzurechnen. Eines ist jetzt schon klar: In der nächsten Gehalts- und Honorar-Tarifrunde wird der NDR mit harten Bandagen kämpfen. Justitiar Dr. Kühn kündigt bereits jetzt eine „abreißende Verbindung zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und öffentlichem Dienst“ an.

ver.di meint: Die Art und Weise, wie der NDR sich bei seinen Beschäftigten (nicht) für die Hilfe in der Not revanchiert, ist beschämend! Wir erwarten weiterhin, dass der NDR die volle Gehaltserhöhung ab April zahlt!