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8. März – Weltfrauentag

Wie weit sind wir mit der Gleichstellung? Nicht weit genug!

Zeichnung zweier Frauen rechts und links von einem Frauen-Symbol ver.di im ndr Weltfrauentag 2019

Der NDR hat sich ein ebenso ehrgeiziges wie selbstverständliches Ziel gesetzt: Der Anteil an Frauen in Führungspositionen und in allen Hierarchieebenen soll künftig fünfzig Prozent betragen – und damit dem Anteil von Frauen in der Gesellschaft entsprechen (Quelle: Gleichstellungsbericht 2017). Doch nach wie vor warten wir auf…. die erste Intendantin des NDR.

Wir warten auch auf den Zeitpunkt, an dem Männer genauso häufig und lange in Elternzeit gehen wie Frauen, darauf, dass ebenso viele Männer wie Frauen zugunsten von Familienarbeit in Teilzeit gehen. Wir fragen uns, wann der Zeitpunkt kommt, an dem im NDR genauso viele Betriebsingenieurinnen in der VG 3 arbeiten (2017: Frauenanteil von 9%) wie Ingenieure und genauso viele Männer als gehobene Sekretäre in der VG 8 (2017 Männeranteil von 2%) anzutreffen sind wie Frauen. Und wir wünschen den Moment herbei, in dem in politischen Talkshows und als Expertinnen in unseren Programmen genauso viele Frauen wie Männer zu Wort kommen, ebenso viele Frauen wie Männer bei Filmen Regie führen. Von all diesen Zielen sind wir im NDR noch weit entfernt, obwohl wir den richtigen Weg schon eingeschlagen haben.

Warum geht es nicht schneller?

Die Frage nach einer IntendantIN müssen die Aufsichtsgremien des NDR beantworten, denn der Rundfunkrat wählt die jeweilige Person auf Vorschlag des Verwaltungsrats ins Amt. Dass Frauen hierbei schlechte Karten haben, zeigt schon die Sprachwahl im Intranet, denn für den Prozess ist nur die männliche Form erwähnt: „Der Intendant…wird vom Rundfunkrat…“. Die Hierarchieebenen darunter muss man differenziert und im Zeitverlauf betrachten. Sicherlich sind Ingenieurinnen am Arbeitsmarkt vergleichsweise rar, Menschen (Männer) neigen dazu, Ihresgleichen zu fördern, und es soll schon hochqualifizierte Frauen im NDR gegeben haben, die das Warten auf eine Beförderung leid waren und gute Angebote anderer Arbeitgeber angenommen haben. Es ließe sich viel über Versäumnisse des NDR sagen, aber….

Was ist mit uns selbst?

Ein Teil des Problems scheint auch im Privaten – und damit in unserer eigenen Verantwortung - zu liegen. Nach der Geburt eines Kindes zementieren sich oft traditionelle Rollenbilder. Das verraten die Statistiken über Eltern- und Teilzeit: 2017 nahmen im NDR hundert Frauen Elternzeit, dagegen nur dreiundfünfzig Männer. Während die Mütter im Schnitt mehr als sechs Monate weg blieben, waren es bei den Vätern nur drei Monate. Und auch nach der Elternzeit tragen Frauen den Hauptteil der Familienarbeit und gehen dafür in Teilzeit. Nur ein Fünftel der Teilzeit-Kräfte im NDR sind Männer. Das mag auch finanzielle Gründe haben, denn Frauen verdienen im Schnitt weniger als Männer und ihr Verdienstausfall belastet das Familienbudget daher weniger. Doch das ist kurzfristig gedacht. Frauen, die diese Entscheidung treff en, kommen oft langfristig aus der „Karrierefalle“ Teilzeit nicht mehr heraus, sind im Rentenalter auf die Versorgung durch ihre (Ex-)Männer angewiesen.

Wie geht es besser?

Mit der in früheren Jahrzehnten gängigen Rollenverteilung sind inzwischen oft beide Geschlechter unzufrieden: Teilzeit-Frauen schieben Frust, weil sie im Job abgehängt sind, und Männer haben das Gefühl, dass ihr Engagement für die Familie nicht reicht. „Was soll ich denn noch tun, ich helfe doch schon mit“, wird mancher Mann denken. Aber etwas „mithelfen“ ist eben nicht genug, wenn Frauen die Chance auf eine gleichwertige berufliche Entwicklung und eine solide eigene Altersversorgung haben sollen. Dann heißt es: Alle Arbeiten fair teilen – fifty, fifty!

Für Frauen heißt das

Euch mehr um Euch und verteilt (Familien-)Arbeit! Traut Euren Männern etwas zu. Sie erledigen die neuen Aufgaben vielleicht nicht wie ihr – sondern anders gut.

Für Männer heißt das

Übernehmt mehr Aufgaben in Euren Familien. Findet dabei Euren Stil und eine neue Balance. Nehmt Eure eigene Karriere nicht so wichtig – das ist die Währung der Vergangenheit.

Liebe Kolleg*innen, alles Gute zum Weltfrauentag

Dieses Jahr feiern wir 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland.

Nutzt Eure Stimme und wählt am 9. und 10 Mai 2019 starke ver.di-Fraktionen in eure Personalvertretungen.