Senderverband NDR

Nur der NDR kündigt Tarifverträge

ARD und ZDF handeln besonnen

Nur der NDR kündigt Tarifverträge

Der NDR hat die für April vorgesehenen Gehalts- und Honorarerhöhungen um 2,45 Prozent gekün­digt. Durch die Verzögerung bei der Anpassung der Rundfunkbeiträge rechnet der NDR mit einem ge­ringeren Budget - und hat sich bewusst entschie­den, auf Kosten der Belegschaft zu sparen: bei den Einkommen von Festangestellten und Freien.

Mit dieser Entscheidung steht der NDR unter den öf­fentlich-rechtlichen Sendern bislang ziemlich alleine da! Die Intendant*innen von ZDF, BR, SWR und MDR haben sich nämlich vor ihre Mitarbeitenden gestellt. Sie machen von ihren Kündigungsrechten keinen Gebrauch. MDR-Intendantin Carola Wille be­gründete ihre Entscheidung mit dem hohen Engagement ihrer Mitarbeiter*innen während der Pan­demie. Bei WDR und Radio Bremen existieren Künigungsmöglichkeiten in den laufenden Verträgen nicht einmal. Allein der Intendant des Deutschland­radio hat kürzlich Tarifverträge gekündigt. Sein Sen­der ist aber durch einen viel höheren Eigenprodukti­onsanteil und daher größeren Personalkostenanteil in einer nicht vergleichbaren Lage.

NDR bietet nur die Hälfte

NDR-Intendant Joachim Knuth hatte den Gewerk­schaften im NDR einen für die Beschäftigten schwer überschaubaren Deal angeboten: Der NDR will nur die Hälfte der Erhöhung zum April zahlen: 1,225 Prozent. Die andere Hälfte soll irgendwann gezahlt werden - oder gar nicht. Denn dieser Teil der Gehaltserhöhung soll vom Urteil des Bundesverfassungsgerichts über eine Beitragserhöhung ab­hängen. Der NDR hat inzwischen selbst zugegeben, dass diese Zahlung während der Laufzeit unseres Ta­rifvertrags unwahrscheinlich ist. Bedeutet: Wir wer­den mit der halben Gehaltserhöhung abgespeist. Und auch die Azubis, die der NDR zum Teil wie volle Arbeitskräfte einsetzt, sollen nur 25 statt 50 Euro mehr bekommen.

ver.di will verhandeln!

Was will ver.di? Wir wollen, dass die Leistungen un­serer Kolleginnen und Kollegen in der Pandemie gewürdigt werden - so wie im Rest der ARD. Für die Tarifverhandlungen am 16. Februar werden wir ei­nen erneuten Kompromiss-Vorschlag machen. Der NDR hatte zwar am 27. Januar unseren ver.di-Vorschlag abgelehnt, der dem finanziellen Engpass des NDR Rechnung trug, die volle Erhöhung aber nicht einfach aufgab. Eine wirtschaftliche Begrün­dung konnte der NDR für die Ablehnung nicht nen­nen. Wir glauben aber, dass eine Lösung auf dem Verhandlungsweg weiter möglich ist.

ver.di fordert: Joachim Knuth sollte die Einkommen der Belegschaft genauso schützen, wie es die Intendant*innen der anderen Sender tun! Und nach dem politischen Debakel in Sachsen-Anhalt darf er den Kräften am rechten Rand der Gesellschaft nicht sig­nalisieren, dass sie Einfluss auf seine Entscheidungen und unsere Tarifverträge im NDR haben!