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Angriff von rechts gegen Tagesschau-Redaktion: Intendant Joachim …

Angriff von rechts gegen Tagesschau-Redaktion: Intendant Joachim Knuth muss sich öffentlich vor die Redaktion stellen!

Kaum zeigt sich im Sommer vor der Bundestagswahl ein bisschen Sommerloch, da steckt auch schon  Hans-Georg Maaßen aus Thüringen seinen Kopf daraus hervor: Eine Art Charakter-Test für Tagesschau-Redakteurinnen und Redakteure forderte der 2018 entlassene Verfassungsschutzchef und derzeitiger Bundestagskandidat der CDU in Thüringen in einem Interview bei tv.berlin. Die Biografien der Redakteur*innen sollten geprüft werden, so Maaßen; er will in der Redaktion Individuen entdeckt haben, die mit der linken und linksextremen Szene in Kontakt seien und deren Geist in die Nachrichtensendung tragen könnten. Wen und was meint der zwangspensionierte Präsident des Bundesverfassungsschutzes konkret? Was genau er von einem „NDR-Untersuchungsausschuss“ aufdecken lassen wolle, erzählt er nicht. Wozu auch die Mühe, wenn es vor allem um das „Bashing“ der ARD geht? Maaßens mutmaßlicher Gewinn aus der Diffamierung: Bei der Bundestagswahl Stimmen der „Lügenpresse!“-Brüller*innen zu fischen, um die der CDU-Mann hart mit der AfD konkurriert.

Die haltlosen populistischen Unterstellungen sind für die Pressefreiheit und unsere Demokratie brandgefährlich - und eine Zumutung für die Kolleginnen und Kollegen von ARD-aktuell, die mit den Tagesschau-Ausgaben im Fernsehen und auf tagesschau.de die Nation rund um die Uhr gewissenhaft und unvoreingenommen mit Nachrichten versorgen.

Intendanten in der Angst-Starre? 

Haltlose Vorwürfe müssen als solche entlarvt werden, damit sie sich nicht unwidersprochen in den Köpfen festsetzen! Politiker*innen von SPD und Grünen haben sich über Maaßens Angriff auf die Pressefreiheit empört, zaghafte Kritik kommt selbst aus dessen eigener Partei. Aber wo bitte bleibt die Reaktion des NDR-Intendanten, unter dessen Dach die Tagessschau produziert wird, nachdem bundesweit zahlreiche Medien – voran der Spiegel - über Maaßens Vorwürfe berichtet haben!? Und warum reagiert Tom Buhrow als ARD-Vorsitzender nicht? Er kennt die Arbeitsweise der Redaktion ARD-aktuell durch seine frühere Funktion als Tagesthemen-Moderator und könnte die Anschuldigungen leicht vom Tisch fegen. 

Stattdessen schweigen die ARD-Intendanten - etwa aus Angst vor Politikern der Union, AfD und FDP, die den Sendern den Geldhahn bald noch weiter zudrehen könnten? Wie weit geht die Furcht der Intendanten? ver.di erwartet vom NDR-Intendanten Joachim Knuth, dass er sich öffentlich klar vor die Redaktion stellt, anstatt die Angelegenheit an seine Pressesprecherin zu delegieren. 

Einschnitte ins Fernsehprogramm 

Wie weit sind die Intendanten bereit, den Gegnern der Öffentlich-Rechtlichen auch in der Programmgestaltung gefällig zu sein? Rechten Politiker*innen sind Polit-Magazine wie „Panorama“ vom NDR und „Monitor“ vom WDR oft ein Dorn im Auge. Jetzt sollen die Polit-Magazine der ARD Medienberichten zufolge ein Drittel weniger Fernseh-Sendeplätze bekommen und stattdessen in die Mediatheken wandern, wo sie selten genutzt werden. Monitor-Chef Georg Restle warnt in der Süddeutschen Zeitung vor „Entpolitisierung und Trivialisierung des Programms“. Dem schließen wir vom ver.di-Senderverband im NDR uns an. Die Öffentlich-Rechtlichen müssen der Politik weiterhin auf die Finger schauen, um ihre Aufgabe in unserer Demokratie zu erfüllen. 

ViSdP: Tina Fritsche, Fachbereich Medien, Kunst und Kultur, Besenbinderhof 60,20097 Hamburg  fb08.hh@verdi.de