Senderverband NDR

NDR versucht nachträgliche Abkoppelung vom Öffentlichen Dienst!

Keine Erhöhung der Gehälter und Honorare?

NDR versucht nachträgliche Abkoppelung vom Öffentlichen Dienst!

Die Tarifverhandlungen zwischen ver.di und dem NDR am Mittwoch haben keine Einigung gebracht. Der NDR hatte damit gedroht, die Steigerung der Gehälter und Honorare um 2,45% zum 1. April komplett zu streichen – falls die Gewerkschaften sich nicht damit zufriedengeben, dass der Intendant nur die Hälfte zahlt (1,225% ). Joachim Knuth hat die Möglichkeit, bis zum 31. Januar ein Sonderkündigungsrecht auszuüben.

Eine Nachzahlung der zweiten Hälfte der Erhöhung wurde zwar in Aussicht gestellt, falls es innerhalb der Restlaufzeit unseres Tarifvertrages zu einer Erhöhung der Rundfunkbeiträge kommt.


Trickreich! Denn der NDR selber gestand ein, dass dies äußerst unwahrscheinlich ist. Deshalb hätte unsere Zustimmung zum NDR-Vorschlag faktisch bedeutet, dass die zweite Hälfte der Erhöhung ins Leere läuft und wir darauf verzichten.


Warum sind die Verhandlungen ergebnislos geblieben?


Der NDR hatte ver.di ein Angebot vorgelegt, das ver.di nicht akzeptieren kann. Denn das vom NDR- Intendanten gemachte Angebot bedeutet:

  • eine Streichung der Gehaltserhöhungen um die Hälfte (statt 2,45% nur 1,225%)
  • Kürzung der Erhöhung auch für die Azubis
  • durch Vertragsbindung ein Verzicht auf Streikfähigkeit bis Frühjahr 2022
  • Abkehr vom verfassungsmäßig garantierten Grundsatz der Tarifautonomie
  • Schaffung eines Präzedenzfalls für Tarifabbau auch bei anderen Sendern
  • und vor allem: die nachträgliche Abkoppelung von der Gehaltsentwicklung im Öffentlichen Dienst!

Was hat ver.di dem NDR angeboten?


ver.di ist dem NDR entgegengekommen und hat einen Vorschlag gemacht, der die Zustimmung einer ver.di-Mitgliederversammlung gefunden hat und von den Gewerkschaften DJV und DOV mitgetragen worden wäre:

  • keine Kürzungen bei den Azubis
  • dauerhafte Erhöhung der Gehälter und Honorare zum 1. April 2021 um 1,225 %
  • am 1. April 2022 rückwirkende Erhöhung um die noch ausstehenden 1,225 Prozent
  • beidseitiges Sonderkündigungsrecht für dierückwirkende Erhöhung bis zum Jahresende

Hierdurch wäre für alle Beschäftigten der Anspruch wäre auf die volle Erhöhung von Gehältern und Honoraen zunächst erhalten geblieben. Und für den NDR hätte es durch eine Sonderkündigung des zweiten Teils ein Ausstiegsszenario bei wirtschaftlicher Not gegeben – frei nach seiner eigenen Beurteilung. Damit wäre für ver.di die Chance verbunden gewesen, in neue Tarifverhandlungen auf Augenhöhe einzusteigen, notfalls arbeitskampffähig zu sein.

Reaktion des NDR: Kündigung aus Angst vor der Kündigung?!


Der NDR hat unseren konstruktiven Vorschlag abgelehnt. Die Begründung ist absurd! Verwaltungsdirektorin Ulrike Deike sagte, man könne „dem Intendanten nicht zumuten“ am Jahresende den Tarifvertrag zu kündigen, weil er sich dann im Betrieb und in der Öffentlichkeit hierfür rechtfertigen müsse – „für uns keine schöne Situation“. Aus Sorge vor Kündigung des Gehaltstarifvertrags zum Jahresende macht der NDR was? Er kündigt die Gehaltssteigerung jetzt!

Fazit: Der von den Mitgliedern und anderen Gewerkschaften getragene ver.di-Kompromiss wurde ohne wirtschaftlich schlüssige Begründung vom NDR verworfen. Dies legt die Vermutung nahe, dass es am Mittwoch auf Arbeitgeber-Seite keine echte Verhandlungsbereitschaft gab.


In den Tarifverhandlungen 2019 hatten die ARD-Sender versucht, uns von den Entwicklungen der Gehälter im Öffentlichen Dienst abzukoppeln und unsere Position damit zu schwächen. Diese Abkoppelung, die ver.di damals durch große bundesweite Streiks in allen Sendern verhindern konnte, droht jetzt im Nachhinein.

Dies wollen wir verhindern! Zumal es offenbar auch anders geht, wie man am Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) sieht! Dort hat die Intendantin sich entschieden, die Gehaltssteigerung nicht zu kündigen, obwohl ihr Sender von den ausbleibenden  Einnahmen ebenso betroffen ist. Die Intendantin begründet ihre Entscheidung damit, die Mitarbeitenden würden hervorragende Arbeit leisten und in der herausfordernden Zeit unter schwierigen Umständen viele Sonderanstrengungen ermöglichen. Ist das bei uns im NDR etwa anders? Auch der Südwestrundfunk (SWR) hat heute erklärt, auf eine Sonderkündigung zu verzichten.

Wir sind enttäuscht über den Verlauf und das Ergebnis der Gespräche am Mittwoch. Dennoch ist ver.di grundsätzlich zu weiteren Gesprächen mit dem NDR bereit.

01.02.2021, 19:00 – 22:00 Sonderkündigung Honorare und Gehälter

Sonderkündigung Honorare und Gehälter