Tarifverträge

NDR rechnet Arbeitszeiten falsch ab

PRODIS tickt falsch – Schluss damit!

NDR rechnet Arbeitszeiten falsch ab

Seit Jahren rechnet der NDR in bestimmten Fällen Arbeitszeiten falsch ab – zu Ungunsten von Kolleginnen und Kollegen. Denn es werden Minus-Zeiten berechnet, wo gar keine anfallen.Davon sind KollegInnen betroffen, deren Dienste über PRODIS erfasst werden.

Darum geht es konkret: Der NDR erfasst die Soll- und Ist-Arbeitszeiten mit PRODIS. Damit die Ist-Zeiten korrekt erfasst werden, müssen auch für Krankheit und Urlaub die richtigen Werte hinterlegt sein. Dies ist aber nicht der Fall bei Teilzeitkräften, die bei einer reduzierten Wochenarbeitszeit volle Schichten leisten und dafür ganze Tage frei haben. Für diese Kolleginnen und Kollegen ist pro Tag eine fiktive Arbeitszeit hinterlegt, die sich rechnerisch aus ihrem Anteil an der Wochenarbeitszeit ergibt. Beispiel: Bei 50% Teilzeit werden pro Tag nur 3,85 statt 7,7 Stunden hinterlegt. Mit den tatsächlich disponierten Schichten hat das aber nichts zu tun. Minusstunden bei Krankheit Im Krankheitsfall wird für jeden Tag nur die fiktive Stundenzahl angerechnet und nicht die Zeit, die laut Dienstplan tatsächlich hätte gearbeitet werden sollen. Bei der Abrechnung kommt es dadurch faktisch zu einem Minus auf dem Zeitkonto. Diese Praxis ist ein Verstoß gegen das Teilzeit- und Befristungsgesetz, das eine Benachteiligung bei Arbeitszeitreduzierung ausdrücklich verbietet, genauso wie der Tarifvertrag über Teilzeit im NDR. Betroffen sind vor allem diejenigen, die ihre Arbeitszeit reduziert haben (und auf Einkommen verzichten), um zum Beispiel Kinder großzuziehen oder Angehörige zu pflegen - überwiegend Frauen.


Krankheit am Wochenende wird bestraft. Auch Vollzeit-Kräfte im Schichtdienst machen unverschuldet Verluste: Das Abrechnungsprogramm ist so programmiert, als ob am Wochenende alle frei haben. Es erfasst Krankheit an diesen Tagen nicht, sondern rechnet einen „Freien Tag“ ab.
Wer für einen Wochenend-Dienst disponiert ist und dann krank wird, kommt so mit allen disponierten, aber nicht geleisteten Stunden ins Minus. Dieses Minus, egal ob in Stunden oder in Tagen, dürfte nicht entstehen. Trotzdem verlangt der NDR, dass das Minus nachgearbeitet wird.
Dem NDR ist der Sachverhalt seit langem bekannt: Bereits 2004 hat es im Bereich der Cutter in Lokstedt Vorschläge für ein verbessertes Modell für eine neue Abrechnung gegeben.
Und seit 2010 weist der NDR im Intranet selbst darauf hin, dass es nicht möglich sei, Freie-Tage-Ansprüche für Teilzeitkräfte in der Stundenabrechnung korrekt abzubilden.1 Erst kürzlich hat ver.di den NDR erneut auf dieses Problem hingewiesen, passiert ist nichts. Offenbar will der NDR das Problem nicht angehen, denn er spart auf Kosten der Belegschaft Arbeitszeit und damit Geld. Damit muss Schluss sein!


Und noch ein Ärgernis:
Unser Manteltarifvertrag sieht die Löschung von Minus-Zeiten am Ende des Ausgleichszeitraums vor. Dies wird im NDR nicht überall umgesetzt, zum Beispiel nicht für Teilzeit-Kräfte bei ARD-aktuell.

Ver.di fordert:

  • • Korrekte Erfassung der Ist-Arbeitszeit!
  • • Keine Schlechterstellung bei Krankheit!
  • • Einhaltung der Tarifverträge, auch bei Teilzeitkräften!

ver.di im NDR wird dieses Problem auch im Personalrat einbringen


Kurz-Info

* Die Soll-Arbeitszeit ergibt sich aus dem Arbeitsvertrag.
 *Der Arbeitgeber muss die Ist-Arbeitszeit korrekt erfassen und ist dafür verantwortlich, die Arbeitszeit abzurufen. Tut er dies nicht, verzichtet er auf eure Arbeitszeit zu euren Gunsten, es besteht Annahmeverzug.
 *Krankheit darf bei der Arbeitszeitabrechnung nicht zu Minuszeiten führen.
 *Der Ausgleichszeitraum von Mehrarbeit (MTV TZ 324) beträgt höchstens sechs Monate, danach müssen etwaige Minuszeiten auf Null gesetzt werden. Bei Teilzeit kann von dieser Regelung nur dann abgewichen werden, wenn die vereinbarte Blockzeit sechs Monate überschreitet. Hierbei ist der Personalrat zu beteiligen.
 *ver.di-Mitglieder erhalten Beratung und genießen Rechtschutz bei der Geltendmachung ihrer Rechte, Kontakt über Eure ver.di-Vertreter.