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NDR stellt Honorarabrechnungen um

NDR stellt Honorarabrechnungen um

Das "Überwiegensprinzip" für Steuer und Sozialversicherung

Der NDR hat in den vergangenen Tagen viele Freie überrumpelt, indem er spontan vor Weihnachten ankündigte: Freie sollen ab 1. Januar 2018 einheitlich voll oder gar nicht der Lohnsteuerpflicht unterliegen und entsprechend auch Sozialversicherungsbeiträge auf das volle Honorar oder gar nicht zahlen.

Nach unserer Einschätzung  bedeutet das für die meisten Freien vor allem Nachteile:

* Viele konnten pauschale Betriebsausgaben von 2455 Euro oder sogar höhere individuelle Betriebsausgaben geltend machen, was nun in der Regel nicht mehr möglich ist.

* Außerdem steigen die Beiträge für Krankenkasse und Pflegeversicherung.

Genauso die Beiträge für Renten- und Arbeitslosenversicherung, wobei für letztere allerdings den höheren Beiträgen auch höhere Leistungen gegenüberstehen - also mehr gesetzliche Rente und eine bessere Absicherung für den Fall von Arbeitslosigkeit.

* Gut ist auch, dass nun in der Regel kein Überschreiten der Grenze für Kleinunternehmer droht - Umsatzsteuer sollte für euch kein Thema mehr sein, wenn ihr nur für den NDR arbeitet.

* Wenn ihr Mitglied der Pensionskasse Rundfunk oder des Presseversorgungswerks seid, bedeutet die Änderung: Geringere Einzahlungen in die betriebliche Altersvorsorge, dafür wird aber - wie oben erwähnt - der gesetzliche Rentenbeitrag sogar um eine höhere Summe aufgestockt (und dort entgegen aller Unkenrufe recht gut "verzinst"). Bei der Altersvorsorge sollte der Effekt also neutral oder sogar positiv sein.

  •  Wir empfehlen unseren Mitgliedern als "Sofort-Maßnahmen" folgendes:

* Wenn ihr ausschließlich für den NDR arbeitet und bisher Vorauszahlungen an das Finanzamt überweist (meist alle drei Monate), schreibt dem Finanzamt, dass ihr ab 2018 keine Einkünfte mehr erwartet, die nicht der Lohnsteuer unterliegen, und dass ihr daher keine Vorauszahlungen mehr leisten wollt. Das Finanzamt soll euch einen entsprechenden Bescheid erteilen. Falls ihr eine Steuerberaterin oder einen Steuerberater habt, solltet ihr das mit denen besprechen.

Spätestens Ende Februar sollte das Thema geklärt sein, weil die erste Vorauszahlung meist am 10. März fällig wird.

* Falls ihr zu den wenigen Freien gehört, die überwiegend sozialversicherungsfrei beschäftigt werden, solltet ihr besonders aufpassen: Wenn in eurer November-Abrechnung der Jahreswert (hintere Spalte) in der Zeile "Steuerbrutto (laufend)" weniger als die Hälfte des Jahreswerts in der Zeile "Gesamtbrutto" beträgt, kann es sein, dass der NDR ab Januar keine Krankenkassenbeiträge mehr für euch abführt. Das solltet ihr noch im Dezember mit der Honorarabteilung klären. Evtl.müsst ihr euch spätestens ab Februar (besser schon ab Januar) in der KSK, freiwillig gesetzlich oder privat versichern. Beratung dazu erhaltet ihr von ver.di (Kontaktdaten auf dem Mitgliedsausweis oder ihr nutzt Mediafon).

* Besucht die vom NDR angebotenen Informations-Veranstaltungen (15. Januar 2018, 14 Uhr, NDR-Lokstedt, Konferenzraum 2; 16. Januar 2018, NDR Rothenbaum, Haus 12, Foyer)

* Falls hier mögliche Fragen nicht ausreichend beantwortet werden, wendet euch an uns für eine Beratung.

Schöne Grüße und - trotz allem - eine schöne Weihnachtszeit!